Motivationskünstler mit Herz



sportler im blick: Michael Pfeil etabliert den TV Hochdorf in der dritten Handball-Liga und warf 1996 TSG Friesenheim in Liga zwei
von jochen willner
hochdorf-assenheim. Sein Aufstieg ist beeindruckend. Erst als aktiver Handballer, jetzt als Trainer. Wer erinnert sich noch an das Aufstiegsspiel im Jahre 1996 als der heutige Zweitligist TSG Friesenheim beim TV Kirchzell durch einen Treffer in den letzten Sekunden von Michael Pfeil den Sprung in den Profihandball schaffte? „Das war sicherlich ein Höhepunkt in meiner Karriere, aber es gab noch mehr schöne Momente”, sagt der 42 Jahre alte Familienvater.
Das waren der Aufstieg mit seinem Ausbildungsverein SC Käfertal in die Regionalliga oder die Vize-Meisterschaft mit der TSG Haßloch.
Als Trainer des Handball-Drittligisten TV Hochdorf hat er kürzlich seinen Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2014 verlängert und strebt mit den Grün-Weißen bis zum Saisonende wieder einen vorderen Tabellenplatz an. „Das ist eine tolle Mannschaft, da macht mir die Arbeit sehr viel Spaß. Daran ändert nichts, dass wir bisher hinter unseren eigenen Erwartungen geblieben sind”, sagt Pfeil. Ehrgeiz, Fleiß, Wille und Leidenschaft - das sind für ihn keine Fremdworte. Michael Pfeil liebt nicht nur Handball, sondern er lebt diese Mannschaftsportart. Mit Herzblut. Er steht nicht nur drei Mal in der Woche bei der Vorbereitung des Handball-Drittligisten TV Hochdorf auf dem Spielfeld, sondern schon am frühen Sonntagmorgen sitzt er im eigenen Büro, durchforstet das Sportportal und beobachtet den nächsten Gegner. Da muss ihn seine Ehefrau Viktoria eher mal bremsen. Spätestens am Mittwoch vor dem nächsten Spiel hat er seine Taktik auf den nächsten Gegner abgestimmt, wenn er den Zusammenschnitt des Videos seinen Spielern vorführt.
Mit akribischer Kleinarbeit hat sich Pfeil als Trainer einen Namen gemacht. Eher zufällig wurde er beim Oberligisten VTV Mundenheim Trainer. Mit dem Klub stieg er in die Regionalliga auf und holte noch den Pfalzpokal. Dann kehrte er zum TV Hochdorf zurück, wo er seine aktive Karriere beendet hatte und als Coach die Mannschaft in den letzten beiden Jahren auf den dritten Platz führte. Pfeil würde auch gerne mal einen Zweitligisten trainieren, verrät er. „Das ist für jeden Trainer eine große Herausforderung. Aber mit meiner beruflichen Aufgabe lässt sich das aktuell nicht vereinbaren. Sich einfach freistellen zu lassen, das ist bei mir nicht möglich”, sagt Pfeil, der Vertriebsmanager bei einem Bochumer Maschinenbauer ist.
Pfeil ist ein Familienmensch. Sein zwölfjähriger Sohn Leonnard trägt das Trikot des ungeschlagenen D-Jugend-Pfalzligisten TSG Friesenheim. „Mir ist es wichtig, die sportliche Entwicklung meines Sohnes nicht aus den Augen zu verlieren”, betont der Genießer von Rieslingen.
Ohnehin hat der in Meckenheim lebende Maschinenbautechniker ein Auge für den Nachwuchs. „Ich habe selbst aus der A-Jugend kommend den Sprung in die Regionalliga geschafft, und ich freue mich immer wieder, wenn das andere auch tun. Einigen talentierten Jungs fehlt aber die Physis”, sagt Pfeil. Wer aber im Leistungsbereich spielen wolle, müsse zusätzlich zweimal in der Woche in den Kraftraum. Zudem vermisst er bei manchen auch den Willen. Der Sprung von der dritten in die zweite Liga sei enorm. „Da kommt auch der TV Hochdorf an seine Grenzen. Sich in der dritten Liga zu etablieren, das muss unser Ziel bleiben”, sagt Pfeil, ohne die wirtschaftlichen Zwänge aus den Augen zu verlieren. Es gibt aus seiner Sicht in der Vorderpfalz nicht so viele Talente, die den Sprung in die dritte oder gar zweite Liga schaffen können. „Da stehen die TSG Friesenheim und die VTV Mundenheim in der Region mit ihrer Nachwuchsarbeit fast alleine da. Im Badischen Verband ist die Leistungsdichte etwas höher”, findet Pfeil. Deshalb könnte er sich eine Kooperation mit Friesenheim gut vorstellen. „Das wäre für den Nachwuchs vorteilhaft. Beide Klubs hätten etwas davon.”
Rheinpfalz, 08.12.2011
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